Ostfriesentee und Kultur
Die Ostfriesen haben den größten Tee Konsum pro Kopf (beinahe 300 Liter pro Jahr) in Deutschland, vermutlich weil Die Teetied (Teezeit) als wichtiger Bestandteil ostfriesischer Geselligkeit gilt. Sie trinken meist zur Hauptteezeit um etwa 15 Uhr kräftige Assam-Sorten.
Vor der Einführung des Tees, war Bier das Hauptgetränk der Ostfriesen. Doch der importierte Tee war günstiger und drängte den Gerstensaft in seiner Bedeutung zurück. Schon im frühen 17. Jahrhundert sind die ersten Teefuhren nach Ostfriesland gelangt, wurden aber zunächst nur als Medizin verabreicht. Um 1720 existierte dann schon ein umfangreicher Teehandel im Land. Im 18. Jahrhundert verbreitete sich der Tee dann zusammen mit der Kartoffel als Grundnahrungsmittel in ganz Ostfriesland. Weil jedoch der Import die Wirtschaft schädigte und man die Zutaten für Bier im eigenen Land hatte, versuchte 1778 der König von Preußen den Konsum des "chinesischen Drachengiftes" zu verbieten und unter Strafe zu stellen. Die Ostfriesen wollten ihr Lieblingsgetränk jedoch nicht mehr missen und reagierten mit verstärktem Schmuggel, heimlichem Teetrinken und sogar zivilem Ungehorsam. Daher gab der König dieses Vorhaben schnell wieder auf. Auch während der Napoleonischen Kontinentalsperre von 1806 bis 1814 wurden die Ostfriesen zu Meistern des Schmuggelns, um ihre Versorgung mit Tee zu gewährleisten. Im 20. Jahrhundert, während den beiden Weltkriegen kam es erneut zu "Teenotzeiten", so dass sich die Ostfriesen mit "Teetabletten" aus Aromastoffen und Zucker behelfen mussten. Man sieht an der Geschichte, dass Teetrinken wahrlich ein hoch geschätztes Kulturgut der Ostfriesen ist.
Die Teetied (Ostfriesische Teezeremonie)
Auch heute noch ist es in Ostfriesland Sitte, bei Ankunft eines Gastes sofort eine Tasse Tee anzubieten. Die sogenannte Teetied wird regelmäßig zelebriert und von vielen Ostfriesen auch als Ostfriesische Teezeremonie bezeichnet. Diese muss immer mit vorgeschriebenen Utensilien abgehalten werden: Die Ostfriesische Teemischung muss mit weichem Wasser aufgegossen und in einer gereinigten und vorgewärmten Kanne mit Stövchen zubereitet werden. Zum Tee muss es Kluntjes (Kandiszucker), Sahne und Gebäck geben. Der Tee wird aus feinen Porzellan Tässchen getrunken und die Sahne mit einem eigenen Sahnelöffel verabreicht. Ablauf: Zunächst legt man ein großes Stück Kandiszucker in die Tasse und gießt den Tee ein, wodurch es zu einem charakteristischen Knistern des Zuckers kommt. Anschließend gibt man mit dem Sahnelöffel einen Tropfen Sahne am Rand der Tasse hinzu, so dass eine "Sahnewolke" entstehen kann. Der Tee wird dann traditionell ohne Umrühren getrunken, so dass man die verschiedenen Schichten von sahnig, herb und süß getrennt wahrnehmen kann. Dieses Verfahren stammt noch aus einer ärmeren Zeit, als man versuchen wollte ein Stück Kandiszucker über möglichst viele Tassen Tee zu verwenden. Jeder Teilnehmer einer "Ostfriesischen Teezeremonie" muss mindestens 3 Tassen trinken oder er gilt als unhöflich und beleidigend.